Modellphase

Historie Bild 14 KAs

 

 

 

 

 

Die Braunschweiger Kompetenzagentur ist aus der Braunschweiger Beratungsstelle für jugendliche Arbeitssuchende (jump&run) hervorgegangen. Neben 14 weiteren Kompetenzagenturen im Bundesgebiet war sie im Rahmen eines Projektes des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2002 bis 2006 eine Modelleinrichtung. Im Fokus lagen die Förderung von Hauptschulabsolventen und die Erforschung von Übergängen in die Arbeitswelt. Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen dieser Zeit wurden allgemeingültige Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet, die in zahlreiche Publikationen einflossen.

Die Trägerschaft für das Angebot übernahm von Beginn an die Abteilung Jugendförderung des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig. An der Finanzierung beteiligten sich der Europäische Sozialfond, die Europäische Union und zeitweise auch das Jobcenter Braunschweig.

Ausweitung der Kompetenzagenturen im Bundesgebiet

Historie Bild 200 KAs

 

 

 

 

 

Die Kompetenzagentur Braunschweig diente ab 2007 rund 200 Kompetenzagenturen im Bundesgebiet als Vorbild. Aufgrund des Erfolges des Projektes weitete das Bundesministerium das Modellprogramm auf die Fläche der Bundesrepublik aus. Zu diesem Zeitpunkt vergrößerte sich auch die Braunschweiger Einrichtung: Mit drei Vollzeitstellen gestartet, hat die Kompetenzagentur nun fünf Mitarbeiter*innen, erfahrene Dipl. Sozialarbeiter*innen mit zum Teil umfangreichen Zusatzausbildungen und Spaß an der Arbeit mit jungen Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf.

Bereits 2006 trafen sich Kompetenzagenturen aus dem gesamten Bundesgebiet in Braunschweig, ab 2007 lud die Braunschweiger Einrichtung gemeinsam mit der Kompetenzagentur Wolfenbüttel zu praxisorientierten Fachtagungen mit Workshops ein. Während der zehn Workshops haben rund 80 Agenturen vom Wissen und den Erfahrungen der jeweils anderen profitiert.

Ende des Angebots!?

Seit 2009 sind die Kompetenzagenturen Bestandteil der Initiative JUGEND STÄRKEN des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zu dem auch die Programme Koordinierungsstelle Schulverweigerung - Die 2. Chance und der Jugendmigrationsdienst zählen. Der Modellphase schloss sich die Durchführungsphase an, die bis Ende 2013 andauerte. Heute arbeitet die Braunschweiger Einrichtung mit Berufsstartern, die ohne Hilfe vom Scheitern an der Schwelle zur Berufswelt bedroht sind.

Während der Durchführungsphase ist es der Braunschweiger Kompetenzagentur gelungen, sich als dauerhaftes Angebot des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie zu etablieren. In 2011 wurde in einem fraktionsübergreifenden Ratsbeschluss die Verstetigung der Agentur nach Abschluss der Initiative JUGEND STÄRKEN festgelegt. Aus dem EU-Modellprojekt Kompetenzagentur wurde ein Regelangebot der Stadt Braunschweig.

 

Specials für Berufsstarter (Auszug)

Bewerberauswahl - Wir wählen die richtigen Azubis aus, 2005

Das Angebot richtete sich an Unternehmen und Betriebe, die ausbilden können und wollen, jedoch nicht die für sich richtigen Auszubildenden finden.

Ziel war es, anhand einer für den jeweiligen Betrieb zugeschnittenen Konpetenzanalyse, eine kostenlose Vorauswahl der Bewerbungen vorzunehmen, um so die Betriebe zu unterstützen und die Anzahl der Lehrstellen zu erhöhen. Das Angebot wurde von der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer beworben, ging jedoch nicht in die Umsetzung, das Betriebe keinen Bedarf meldeten.

 

 

 

 

 

FutureCamps - mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, 2005 bis 2006

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft führte im Rahmen eines Projektes mit Kunden und einer Beraterin der Kompetenzagentur zweitägige Seminare bei Ikea durch. Im Zeitraum von 2005 bis 2006 fanden fünf Seminare statt.

Diese hatten das Ziel, Schüler*innen Kompetenzen zu vermitteln, die für ihre Berufsorientierung nützlich sind und zu einer besseren Ausbildungs- und Beschäftigungsreife führen.

Kernelement war dabei ein Vorstellungsgespräch mit Personalverantwortlichen von Ikea mit einer anschließenden persönlichen Rückmeldung.

 

 

Zukunft:Beruf, Lern' Personalentscheider kennen, 2007 bis 2013

Aufgrund des Erfolges der FutureCamps übernahm die Kompetenzagentur das Format, modifizierte die Inhalte, erweiterte die Unternehmenskontakte inklusive der Ausbildungsberufe und führte für ihre Kunden Seminare unter dem Titel "Zukunft:Beruf" durch.

Interessierte Kunden qualifizierten sich über ein Auswahlverfahren für die Teilnahme.

Das zweitägige Seminar "Zukunft:Beruf" fand in den Räumen des Unternehmens statt. Dabei waren sowohl Vertreter der Personalabteilung als auch Auszubildende des Betriebes aktiv in die Abläufe eingebunden. Inhalte waren:

  • Kenntnisse über berufsspezifische Fähigkeiten
  • Diskussion und Austausch mit Auszubildenden des Unternehmens
  • Professionelles, individuelles Vorstellungsgespräch mit einem Vertreter der Personalabteilung
  • Durchführung von Kompetenzfeststellungsübungen
  • Training der Selbstpräsentation

Die Seminare fanden in folgenden Unternehmen statt:


Unternehmen:Jugend. Zusammenarbeit mit Zukunft - mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, 2009 bis 2012

Die Kompetenzagentur hat mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft von 2009 bis 2012 das Projekt "Unternehmen:Jugend. Zusammenarbeit mit Zukunft" im Rahmen der Initiative JUGEND STÄRKEN des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend durchgeführt.


 

 

 

 

Das Vorhaben wurde als Modellversuch bundesweit an nur zehn von möglichen 200 Standorten der Kompetenzagenturen umgesetzt.

Ziele des Projektes waren Kontakte und Erfahrungen für Schüler*innen, der Aufbau und die Förderung langfristiger Kooperationen der Kompetenzagentur mit Betrieben und Unternehmen, um so benachteiligten Schülern/Schülerinnen den Zugang zu Praktika und Ausbildungsplätzen zu ermöglichen.

Über zwei Jahre wurden innerhalb von je sechs zusammenhängenden Workshops (FutureCamps) Schlüselkompetenzen trainiert, die Ausbildungsfähigkeit verbessert und Kontakt zu Unternehmen hergestellt. Es wurden zeitlich versetzt zwei Staffeln mit je 14 Teilnehmenden durchgeführt. Während der Laufzeit des Projektes begleitete die Kompetenzagentur die Schüler*innen bis hin zur Ausbildung.

  • Teilnahme an stärkeorientierten Workshops (FutureCamps), in denen Schlüsselkompetenzen trainiert werden
  • Talentecheck & Berufseignungstests, geva-Institut
  • Plattformgespräche mit Schülern und Wirtschaft
  • 1. Staffel für Hauptschulabsolventen, 2009 bis 2011
  • 2. Staffel für nicht mehr regelschulpflichtige Jugendliche, 2010 bis 2012

Federführend für Braunschweig als Standort des Modellversuches war die Kompetenzagentur Braunschweig, welche in einer frühreren Zusammenarbeit mit der Stiftung die nun erweiterten FutureCamps bereits erprobt hatte. Eingebunden waren außerdem die eng mit der Kompetenzagentur abgestimmte "Koordinierungsstelle Schulverweigerung - Die 2. Chance" (Abteilung Jugendförderung) sowie der Jugendmigrationsdienst (Caritasverband), die beide ebenfalls Teilnehmer*innen beisteuerten. Das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft fungierte vor Ort als organisatorische Unterstützung für die Stiftung.

Beteiligte Unternehmen waren: Stadt Braunschweig, BMA, Staatstheater Braunschweig, fishfarm netsolutions, Senioren- und Pflegeheim St. Hedwig, Siemens, Krankenhaus St. Vinzenz, Kindertagesstätte St. Maximilian Kolbe, Kennel-Bad.de, Handwerkskammer Braunschweig, Restaurant Zucker, Braunschweiger Zeitung, Kämmer Consulting, Dehoga.


Seminar: Ziele setzen - Ziele erreichen, Angebot eines geschäftsführenden Unternehmensberaters, 2010

Vielen Berufsstartern ist es nicht in die Wiege gelegt. Das bewusste Planen und Umsetzen eigener Ziele. Sobald sie jedoch die Regeln einer Zielplanung kennenlernen und bemerken, dass man die eigene Lebenssituation aktiv und gezielt verändern kann, ist viel gewonnen. Zum Beispiel, der sonst oft drohenden Arbeitslosigkeit und damit verbundener Armut zu entgehen.

 

 

 

 

 

 

Am Seminar nahmen sechs ausgewählte Jugendliche teil, die nach dem verlassen der Schule erste Schritte in die Berufswelt setzen. Die Seminarleitung übernahm der Initiator des Angebotes, Herr Gast, ausgebildeter Coach und ehemaliger stategischer Assistent des stellvertretenden Konzernvorstandes Beschaffung, Volkswagen AG.

Ohne Ziele erreicht man nichts. Und konkreter: Wer sein Ziel nicht kennt, wird es auch nicht erreichen. Die Jugendlichen setzten sich erlebnisreich gestaltet mit den Fragen: Welche Ziele habe ich? Was kann ich eigentlich wirklich? Wie kann ich mein Ziel erreichen? Passen meine Ziele zu mir? auseinander.

Als ein Ergebnis des Seminars nahm jeder Teilnehmer eine Liste persönlicher, auf eigene Wünsche, Gefühle, Begabungen, Bedürfnisse ausgerichteten Zielen sowie Strategien und Ideen zu deren Umsetzung und Erreichung mit.

Workshop: Anders? Cool!, 2012

Die Kompetenzagentur sowie die Koordinierungsstelle Schulverweigerung haben unter der Federführung des Jugendmigrationsdienstes des Caritas Braunschweig e.V. mit weiteren Kooperationspartnern eine einwöchige multimediale Ausstellung präsentiert. Diese richtete sich an Schüler*innen, Lehrer*innen und andere Interessierte. Thematischer Mittelpunkt waren die Lebenssituationen Jugendlicher mit Migrationshintergrund.

Neben Infotafeln standen Medien zur Verfügung, die zum Ausprobieren und Auseinandersetzen animierten. Darüber hinaus wurden Veranstaltungen angeboten. Die Kompetenzagentur bot folgenden Workshop an, durchgeführt von Trainer Baris Ünal aus Berlin und einer Mitarbeiterin der Kompetenzagentur.

  • Wie wirkt Andersartigkeit auf Ausbildungsbetriebe? Piercings, fremd klingender Name, dunkle Haare, dunkler Teint: Wie kann das Bewerbern nutzen?

Anders sein ist cool - jedoch: Wie kommt das eigentlich rüber? Dunkle Haare, dunkle Augen, dann womögllich noch ein Nachname, der nach Ausland klingt oder viele Piercings im Gesicht. Komm' ich dann bei einem Arbeitgeber sympathisch rüber, eher abschreckend oder interessant oder, oder, oder...? In dem Workshop ging es darum, zu erfahren, was das eigene Aussehen auslösen kann und vor allem: Ich bin anders, ich bin cool - wie klappt der Einstieg ins Berufsleben gerade deshalb?!




Zweitägiger Workshop: Anders? Cool! in einem Unternehmen, 2012

Der Workshop wurde, aufgrund der guten Resonanz, im gleichen Jahr nochmals durchgeführt. Erneut führte der Trainer der Stiftung der Deutschen Wirtschaft durch das Programm. Veranstaltungsort war die Feuerwache in Braunschweig. Inhaltlich wurde die Thematik erweitert:

  • Baum der Zukunft, Wünsche und Ziele
  • Ausbildungsmöglichkeiten bei der Stadt Braunschweig, Erkundung der Feuerwache
  • Was erwarten Arbeitgeber von Bewerbern?

Gemeinsam wurde erarbeitet, dass nicht nur Zeugnisse und Noten entscheidend sind, sondern insbesondere auch Eigenschaften wie Motivation, Einsatzbereitschaft, Lernbereitschaft, Flexibilität, Teamfähigkeit und nicht zuletzt interkulturelle Kompetenz, ein Pluspunkt, den jeder in der Gruppe mitbrachte. Damit erfolgte der Einstieg in das Thema "Anders? Cool!" mit einer Sammlung von Eigenschaften, in denen die Teilnehmenden anders sind als andere, z.B. Religion, Hautfarbe, Sprache. In welchen Situationen das "cool" für sie ist und wann es eventuell "uncool" war, sie also schlechte Erfahrungen mit einem Aspekt des Andersseins gemacht haben und warum.

Zum Abschluss standen Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung im Vordergrund. Anhand eines Fragebogens schätzten sich die Teilnehmenden bezüglich verschiedener Eigenschaften selbst ein, z.B. kommuniktiv - still, Teamplayer - Einzelkämpfer, organisiert - chaotisch, selbstbewusst - schüchtern. Danach wurde jeder von der Gruppe anhand dieser Kriterien eingeschätzt. Hier ging es nicht darum, ob die Einschätzung nun richtig oder falsch ist, sondern darum, wie die Person auf andere, die sie kaum kennen, wirkt. Im Ergebnis war es für viele überraschend, wie positiv, aufgeschlossen und motiviert sie auf die anderen wirkten, obwohl sie sich selbst gar nicht unbedingt so sahen.


Analyse: Verbesserte Zusteuerung in ein BBS-Angebot, 2012 bis 2014

Die Kompetenzagentur führte als Projektangebot die Arbeitsweltorientierte Fähigkeitsanalyse für Schüler*innen der Klassen des BVJ (Berufsvorbereitungsjahres) der Johannes-Selenka-Schule durch. Dabei ging es, neben einer möglicherweise verbesserten Zusteuerung in ein passendes Schulangebot, um

  • die Herausarbeitung der Fähigkeiten, Lehrer*innen erhielten durch die Ergebnisse der Analyse eine bessere Möglichkeit, die Schüler*innen gezielter zu fördern
  • ein maßgeschneidertes Angebot für Jugendliche mit schlechten Startchancen.

Ursprung des Angebotes war die zu diesem Zeitpunkt unzureichende Informationsweitergabe von abgebenden Schulen bzw. Projektträgern. Die Analyse wurde mit einem Fragebogen gekoppelt, um eine umfassende Aussage über den Jugendlichen treffen zu können.

Die Kompetenzagentur führte die Analyse mit rund 100 Schülern/Schülerinnen durch, welche sich für ein BVJ angemeldet hatten. Innerhalb dieser Zeit wurden die Lehrer*innen der Schule vom Analyseentwickler hamet2 gschult.


App: Kompetenzagent, 2014 bis 2017

Entwicklung einer App durch ein jugendliches Start-Up Unternehmen, welche Berufsstarter an Termine erinnern und wichtige Vorbereitungstipps geben sollte. Die App war für Android, Windows und Apple geplant, inklusive einer google-Verknüpfung zu relevanten Seiten. Die Umsetzung scheiterte, der Werbetext ist geblieben:

"App, die dir dabei hilft, den Überblick zu behalten.

  • Mit automatischer Erinnerungsfunktion für wichtige Fristen und Termine rund um Schule und Ausbildung.
  • Du kannst die App aktiv nutzen, indem du zum Beispiel einträgst, wann du dich wo beworben hast und wirst dann daran erinnert, was noch zu tun ist.
  • Du kannst die App auch passiv nutzen, brauchst nichts machen und wirst trotzdem zum Beispiel an Anmeldefristen für Schulen oder Bewerbungsfristen für Ausbildungen erinnert.
  • App kostet nichts."


Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Profil-/Dossiererstellung, 2017 bis 2019

Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge verfügen über ganz unterschiedliche Schulkenntnisse. Die Kompetenzagentur übernahm den Part der Profil-/Dossiererstellung mit dem Ziel, die schulische und berufliche Perspektive sowie einen entsprechenden Förderbedarf zu eruieren. Konkret: Die Aufnahme der Wünsche und Kompetenzen der Jugendlichen, die Prüfung der Realisierbarkeit und die Abgabe einer fachlichen Empfehlung.

Zur Erstellung des Dossiers wurden Analysen (geva, hamet2, ggf. PSU-Ergebnisse) und in hohem Maße die Einschätzungen der Lehrkräfte, Amtsvormünder und weiterer Fachkräfte zugrunde gelegt.

Die Ergebnisse und Verbleibe wurden von der Kompetenzagentur gebündelt und waren Grundlage sowohl des allgemeinen Unterstützungsbedarfes unbegleiteter minderjähriger Jugendlicher in Braunschweig als auch individueller Hilfeplangespräche.

gefördert durch

Unterstützt durch die Jugendförderung BRaunschweig
Jugend stärken im Quartier