Mit oder ohne? Der Beruf ist entscheidend

"Eindeutig kann man die Frage nicht beantworten", sagt Manfred Löbel, Referatsleiter Berufsberatung der Berliner Handwerkskammer. Es komme auf den auszuübenden Beruf an. "Wer handwerklich tätig ist, muss bei der Arbeit sowieso aus Arbeitsschutzgründen Ringe und Stecker mit einem Pflaster verstecken." In Medienberufen beispielsweise ist dies kein Thema.

Manuela hat es aber geschafft. Sie ist Azubi in einer Rechtsanwaltskanzlei und befindet sich nun im letzten Lehrjahr. "Bei meinem Bewerbungsgespräch sind die Stecker schon aufgefallen - und waren auch Thema", erinnert sich Manuela. Aber im Gespräch konnte man sich einigen. "Das Offensichtliche sollte ich entfernen, also den Stecker im Kinn zum Beispiel." Die Tattoos kann sie nicht entfernen, also trägt sie bei wichtigen Kunden kein Trägertop und Minirock, sondern wählt ihre Kleidung so, dass die Tattoos verdeckt sind.

Empfehlung: Vorher mit dem Chef sprechen

Marco Frank, der im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sitzt, betont, dass viele Azubis ein Gespür dafür haben, was sie dem Betrieb bzw. dem Chef zumuten können. "Für viele bedeutet eine Ausbildungsstelle auch eine Übernahmechance - die will man sich ja durch Körperschmuck nicht vermasseln." Der DGB empfiehlt, das Thema "Körperschmuck" mit dem Chef vor Ausbildungsbeginn zu besprechen.

Mittelweg suchen

Manuela ist der Meinung, dass die Stelle nichts tauge, wenn ein Bewerber wegen Piercings oder Tattoos nicht genommen werde. Sie meint, dass die Leistung zählt und nicht, wie der Körper gestaltet ist. Aber was kann passieren, wenn ein Azubi während der Ausbildung die Idee hat, sich einen Nasenring stechen zu lassen?

"Wenn vertraglich nichts vereinbart wurde, dann hat der Ausbilder kein Recht, den Azubi abzumahnen oder zu kündigen", sagt Löbel. Azubi und Ausbilder sollten in einem solchen Fall nach einem Mittelweg suchen. Lösungen können beispielsweise das Abkleben oder Entfernen auffälliger Piercings sein.

Schlecht fürs Geschäft = Schlecht für Dich

Wenn Piercings oder Tattoos allerings ein geschäftsschädigendes Verhalten bedeuten, kann es passieren, dass während der Probezeit eine fristlose Kündigung ausgesprochen wird. Auch eine Abmahnung ist im Verlauf einer Ausbildung ebenso möglich.

In der Kanzlei von Manuela sind Tattoos und Piercings kein Problem. Im April wird sie ihre Ausbildung beenden. Dann wird sie sich wieder - wie nach dem Schulabschluss - ein Tattoo gönnen. Ihr ist es egal, was ihr Chef davon denkt.

Quelle: ntv (17.07.2012 um 9:56 Uhr)